Seitenführung und Skirting am Förderband: die unterschätzte Abdichtung an der Übergabe

Inhaltsverzeichnis
  1. Der Wall unter dem Band
  2. Was die Seitenführung an der Übergabe wirklich macht
  3. Woraus die Dichtleiste besteht und warum sie abgeschrägt ist
  4. Vom Leck zum Gurtkiller: der Pinch Point
  5. Die tägliche Rechnung: Material, Staub, Aufräumzeit
  6. Nachstellen statt austauschen
  7. Das Skirting im Zusammenspiel mit der Übergabe
  8. Häufige Fragen

An einer Übergabe in einem Kieswerk lag jeden Morgen derselbe Wall unter dem Band. Feines Material, seitlich herausgerieselt, über Nacht zu einem kleinen Damm aufgehäuft. Zwei Mann standen jeden Tag mit der Schaufel davor, bevor die Anlage anlief, und irgendwann fragte niemand mehr, woher das Zeug eigentlich kam.

Kurz gesagt: Die Seitenführung am Förderband, oft Skirting genannt, dichtet den Spalt zwischen Schurrenwand und Gurt an der Übergabe ab. Sie hält das Fördergut auf dem Band und den Staub in der Schurre. Solange die Dichtleiste sauber anliegt, kostet sie fast nichts. Sitzt sie schief oder ist sie durchgescheuert, tritt an der Seite ständig Material aus, und im schlimmsten Fall scheuert die lose Leiste den Gurt über die ganze Länge auf. Nachstellen ist deshalb billiger als jeder Folgeschaden.
Die Seitenführung sitzt dort, wo das Material auf den Gurt fällt: an der Übergabe, zwischen Schurrenwand und Band.
Die Seitenführung sitzt dort, wo das Material auf den Gurt fällt: an der Übergabe, zwischen Schurrenwand und Band.

Der Wall unter dem Band

Der Wall kam jeden Morgen wieder, und lange suchte keiner nach dem Grund. Die Schaufel stand ja griffbereit, das Wegräumen gehörte zum Anlauf wie das Kaffeekochen. Erst als jemand fragte, warum ausgerechnet an dieser einen Übergabe täglich ein halber Kubikmeter Feinmaterial danebenging, schaute man genauer hin.

Die Antwort saß an der Seite. Die Dichtleisten der Seitenführung waren durchgescheuert und standen schief. Durch den offenen Spalt zwischen Gummi und Gurt rieselte bei jeder Fuhre etwas heraus, unauffällig im Einzelnen, in Summe eben ein Damm bis zum nächsten Morgen. Ein paar neue Dichtgummis, eine saubere Einstellung, und das tägliche Wegschaufeln hörte auf.

Das ist die ganze Geschichte der Seitenführung in einem Satz. Ein unscheinbares Teil, das im Neuzustand für ein paar Euro Ruhe gibt und im verschlissenen Zustand jeden Tag Material und Arbeitszeit frisst. Auf dem Papier taucht es in keiner Ersatzteilliste ganz oben auf. Im Betrieb steht die Schaufel daneben.

Ein Wall aus Feinmaterial unter der Übergabe: das erste und ehrlichste Zeichen für eine undichte Seitenführung.
Ein Wall aus Feinmaterial unter der Übergabe: das erste und ehrlichste Zeichen für eine undichte Seitenführung.

Was die Seitenführung an der Übergabe wirklich macht

Der Moment, in dem das Gut auf den Gurt trifft, ist wilder, als er von außen aussieht. Das Material fällt aus der Schurre, prallt auf, und die Feinanteile stieben in alle Richtungen. Gleichzeitig schiebt der laufende Gurt Luft vor sich her, unter der Schurre baut sich ein turbulenter Druck auf, und diese Luft sucht sich jede Lücke, durch die sie entweichen kann. Meist ist das die Seite, der Spalt zwischen Schurrenwand und Gurt.

Genau diesen Spalt schließt die Abdichtung der Übergabestelle. Die Seitenführung hält das aufspringende Material auf dem Band und hält Staub und Druck in der Schurre, statt beides seitlich hinausblasen zu lassen. Sie arbeitet wie die Gummidichtung an einer Autotür. Solange sie weich anliegt, bleibt es innen ruhig. Wird sie hart oder bekommt sie einen Riss, zieht es durch jeden Spalt, und man merkt es an genau der Stelle, an der die Dichtung nachgelassen hat.

Nach Nebensache klingt das nur, bis man daneben steht: An der Übergabe entscheidet dieses Gummi darüber, ob alles auf dem Band bleibt oder ob die halbe Umgebung einstaubt. Skirting ist keine Kür, sondern die Grundabdichtung der Aufgabestelle.

Woraus die Dichtleiste besteht und warum sie abgeschrägt ist

Die Dichtungselemente der Seitenführung sind meist Leisten aus Natur- oder SBR-Gummi. Für Sonderfälle gibt es Sondermischungen, etwa im Untertagebergbau oder im Lebensmittelbereich, wo besondere Anforderungen an Brandverhalten oder Materialverträglichkeit gelten. Im Normalfall aber ist es schlicht ein zäher Gummistreifen, der über die gesamte Länge des Übergabegehäuses läuft und den Gurt seitlich begleitet.

Ein Detail wird dabei gern übersehen, und es entscheidet über die Dichtwirkung. Der Gurt liegt an der Übergabe nicht flach, sondern in der Mulde. Die Muldenrollen ziehen ihn zu einer flachen Wanne hoch, damit das Gut nicht seitlich abrollt. Die Dichtleiste muss dieser Form folgen. Deshalb ist ihre Unterkante abgeschrägt, an den üblichen Muldungswinkel des Gurts angepasst, damit sie über die ganze Breite gleichmäßig aufliegt und nicht nur an einem Punkt.

Sitzt diese Schräge nicht richtig, ist die Leiste nagelneu und trotzdem undicht. Sie berührt den Gurt dann nur an der Kante, klafft daneben auf, und das Feinmaterial nimmt genau diesen Weg. Die richtige Leiste am falschen Winkel eingebaut ist so gut wie keine Leiste.

Die abgeschrägte Unterkante folgt der Muldung des Gurts, damit die Leiste über die ganze Breite anliegt.
Die abgeschrägte Unterkante folgt der Muldung des Gurts, damit die Leiste über die ganze Breite anliegt.

Vom Leck zum Gurtkiller: der Pinch Point

Bis hierhin klingt eine undichte Seitenführung nach einem Ärgernis, nicht nach einem echten Schaden. Das ändert sich, sobald die Dichtkante ihren Sitz ganz verliert. Dann wird aus dem Leck ein Klemmpunkt, im Fachjargon ein Pinch Point, und ab da schadet die Seitenführung dem, was sie schützen soll.

So läuft es ab: Steht die Leiste lose und schief, rutscht Feinmaterial zwischen Gummi und Gurt und verkeilt sich dort. Ein Korn, das eigentlich weiterfahren sollte, sitzt plötzlich fest zwischen loser Leiste und Band. Der Gurt zieht sich bei jeder Umdrehung an diesem Korn vorbei. Das eingeklemmte Material wirkt dann wie eine feststehende Feile: Der Gurt läuft Meter für Meter an derselben Kante entlang, und die Feile trägt ab. Was als schmaler Kratzer beginnt, wird zur Riefe, und die Riefe zieht sich über die volle Länge des Gurts, weil ja jeder Punkt des Bands irgendwann an dieser Stelle vorbeikommt.

Das ist der Grund, warum die verschlissene Seitenführung nicht nur ein Symptom ist, sondern selbst zur Ursache wird. Der Gurt verzeiht viel. Aber eine feste Feile im Untergrund verzeiht er nicht. Woran Sie erkennen, dass es so weit kommt, steht in der folgenden Übersicht.

Was Sie sehen Was dahintersteckt Was zu tun ist
Materialaustritt und ein Wall seitlich unter dem Band Die Dichtleiste liegt nicht mehr über die ganze Breite an Leiste nachstellen, Anlage im Testlauf beobachten
Staubfahne an der Übergabe, obwohl die Schurre dicht wirkt Der Druck aus der Schurre entweicht durch den seitlichen Spalt Sitz der Leiste über die volle Länge prüfen und schließen
Lose, gerissene oder schief stehende Gummileiste Verschleiß oder falsche Einstellung, Pinch Point droht Dichtgummi erneuern, bevor Material sich einklemmt
Längslaufende Riefen oder eine geriffelte Spur im Gurt Eingeklemmtes Material hat den Gurt bereits aufgescheuert Sofort die Ursache beseitigen, dann den Gurtschaden bewerten
Eingeklemmtes Material unter einer losen Leiste riffelt den Gurt in Laufrichtung. Aus der Abdichtung ist ein Gurtschaden geworden.
Eingeklemmtes Material unter einer losen Leiste riffelt den Gurt in Laufrichtung. Aus der Abdichtung ist ein Gurtschaden geworden.

Die tägliche Rechnung: Material, Staub, Aufräumzeit

Rechnen wir das für die Übergabe vom Anfang durch, ohne einen einzigen Euro zu erfinden. Jeden Tag landet ein Wall neben dem Band. Das ist erstens verlorenes Fördergut, das Sie bezahlt, aber nie ausgeliefert haben. Es ist zweitens Aufräumzeit, zwei Mann mit der Schaufel, jeden Morgen, bevor die Anlage überhaupt läuft. Und es ist drittens Staub, der sich in der Halle verteilt, auf Lagern, Schaltschränken und in der Atemluft der Leute, die dort arbeiten.

Ein Teil des ausgetretenen Guts bleibt zudem am Gurt kleben und wandert auf der Rücklaufseite mit, wo es sich an Rollen und Trommeln absetzt. Wie viel Material am Ende zurückbleibt, lässt sich sogar in Gramm je Quadratmeter beziffern, aber die Reinigung des Gurts und der Rücktrag sind ein eigenes Kapitel für sich. Für die Seitenführung reicht der einfache Merksatz: Was seitlich austritt, kostet Sie an drei Stellen gleichzeitig.

Dagegen steht der Aufwand für die Vorsorge. Eine Dichtleiste nachzustellen sind ein paar Minuten mit dem Schlüssel. Ein neuer Satz Dichtgummi kostet einen überschaubaren Betrag und ist an einem Vormittag montiert. Wer hier spart, zahlt an der Übergabe drauf, und zwar täglich, bis irgendwann der aufgescheuerte Gurt die Rechnung präsentiert. Der billige, planbar getauschte Verschleißartikel verhindert den teuren, ungeplanten Folgeschaden.

Nachstellen statt austauschen

Die gute Nachricht bei der Seitenführung ist, dass die Instandhaltung selten groß ausfällt. In den meisten Fällen tauschen Sie nicht die ganze Baugruppe, sondern erneuern oder justieren nur das, was verschleißt: die Dichtleiste selbst. Der Rahmen, die Halterung, das Übergabegehäuse bleiben stehen. Es geht um ein Verschleißteil, nicht um einen Umbau.

Noch besser fahren Sie, wenn die Leiste gar nicht erst durchläuft. Eine Dichtleiste wandert mit dem Verschleiß langsam nach, der Anpressdruck lässt nach, der Spalt öffnet sich. Regelmäßiges Nachstellen fängt das ab, bevor Material durchkommt. Das ist der Ölwechsel der Übergabe: eine kleine, planbare Handreichung, die man sich gegen einen großen, ungeplanten Schaden erkauft. Aufwand gering, Wirkung hoch.

Feste Termine nach dem Kalender bringen dabei wenig. Eine Dichtleiste verschleißt nach Fördergut, Menge und Feuchte, nicht nach Datum. Nehmen Sie sie in den normalen Rundgang auf, schauen Sie an der Übergabe kurz auf die Seite, und Sie sehen den beginnenden Spalt, lange bevor der Wall wieder da ist. Fragen Sie im Zweifel den Betrieb, nicht den Prospekt: Die Anlage zeigt Ihnen, in welchem Takt Ihre Leisten nachwollen.

Das Skirting im Zusammenspiel mit der Übergabe

Die Seitenführung steht an der Übergabe nicht allein. An der Aufgabestelle fällt das Fördergut über die Schurre auf den Gurt, und hier bündeln sich gleich mehrere Belastungen: die Aufprallenergie des Guts, der Staub, die Spillage. Ein Prallbett oder eine Reihe Pufferrollen fängt den Aufprall ab, damit der Gurt an der einen Stelle nicht ständig durchgeschlagen wird. Die Seitenführung hält daneben das ganze aufgewühlte Material zusammen. Beide arbeiten am selben Meter Band, an verschiedenen Aufgaben.

Deshalb lohnt es sich, die Übergabe als Ganzes zu denken statt als Sammlung von Einzelteilen. Lässt das Prallbett nach, wird das Auftreffen härter, das Material springt weiter, und die Seitenführung bekommt mehr ab. Steht die Aufgabe schief, trifft das Gut außermittig auf, drückt einseitig gegen die Leiste und scheuert sie ungleichmäßig durch. Ein Symptom an der Dichtung hat manchmal seine Ursache einen halben Meter weiter.

Wo die Seitenführung aufhört und andere Themen anfangen, ist hier bewusst offengelassen. Der vollständige Überblick über alle Bauteile der Übergabe gehört in einen eigenen Beitrag. Wie sich scharfes Material durch den Gurt schlägt, wenn das Prallbett versagt, ebenso. Und der Trommelbelag, der ein paar Meter weiter für den Grip sorgt, ist ohnehin eine Baustelle für sich. Für die Abdichtung an der Übergabe gilt der einfache Satz: Erst die Ursache, dann das Symptom, und die Dichtleiste ist öfter das Symptom, als man denkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Seitenführung, auch Skirting genannt, dichtet den Spalt zwischen Schurrenwand und Gurt an der Übergabe ab und hält Material und Staub zurück.
  • Die Dichtleiste besteht meist aus Natur- oder SBR-Gummi und ist unten an den Muldungswinkel des Gurts angepasst, also abgeschrägt, damit sie über die ganze Breite anliegt.
  • Verliert die Leiste ihren Sitz, entsteht ein Pinch Point: eingeklemmtes Material scheuert oder riffelt den Gurt über die gesamte Länge. Die undichte Seitenführung wird selbst zum Gurtschaden.
  • Undichtes Skirting kostet an drei Stellen zugleich: verlorenes Fördergut, Staub in der Halle, tägliche Aufräumzeit. Nachstellen ist billiger als der Folgeschaden.
  • Meist wird nur die Dichtleiste erneuert oder nachgestellt, nicht die ganze Baugruppe. Kontrolliert wird nach Zustand im Rundgang, nicht nach Kalender.
  • Die Übergabe als Ganzes denken: Aufgabe, Prallbett und Seitenführung hängen zusammen, eine schiefe Aufgabe scheuert auch die Dichtung ungleichmäßig durch.

Häufige Fragen

Was ist die Seitenführung (Skirting) an einem Förderband?

Die Seitenführung, im Fachjargon Skirting oder Skirtboard, ist die Abdichtung an der Übergabe. Sie schließt den Spalt zwischen der Schurrenwand und dem Gurt mit einer Gummileiste und hält so das aufspringende Fördergut auf dem Band und den Staub in der Schurre. Ohne diese Abdichtung tritt an der Aufgabestelle seitlich Material aus.

Woran erkenne ich, dass die Dichtleiste verschlissen ist?

Am deutlichsten am Materialaustritt: Läuft seitlich unter dem Band ein Wall aus Feinmaterial auf oder zieht an der Übergabe eine Staubfahne, liegt die Dichtleiste nicht mehr sauber an. Prüfen Sie zusätzlich, ob das Gummi lose ist, gerissen oder schief steht. Längslaufende Riefen im Gurt sind das Spätzeichen, dass sich bereits Material eingeklemmt hat.

Warum kann eine lose Seitenführung den Gurt beschädigen?

Verliert die Dichtkante ihren Sitz, rutscht Feinmaterial zwischen Leiste und Gurt und verkeilt sich. Dieses eingeklemmte Korn wirkt wie eine feststehende Feile, an der sich der Gurt bei jeder Umdrehung vorbeizieht. So entsteht ein Pinch Point, der den Gurt über die gesamte Länge aufscheuert oder riffelt. Die verschlissene Seitenführung wird damit selbst zur Schadensursache.

Muss ich die ganze Baugruppe tauschen oder reicht Nachstellen?

In der Regel reicht das kleinere Eingreifen. Meist wird nur die Dichtleiste erneuert oder nachgestellt, während Rahmen und Gehäuse stehen bleiben. Regelmäßiges Nachstellen hält den Anpressdruck, bevor sich ein Spalt öffnet, und ist die billigste Vorsorge gegen den Folgeschaden am Gurt. Die ganze Baugruppe tauschen Sie nur, wenn die Halterung selbst beschädigt ist.

Woraus besteht eine Skirting-Dichtleiste?

Meist aus Natur- oder SBR-Gummi als zäher Streifen, der über die gesamte Länge des Übergabegehäuses läuft. Für Sonderfälle wie den Untertagebergbau oder den Lebensmittelbereich gibt es Spezialmischungen. Wichtig ist neben dem Material die Form: Die Unterkante ist an den Muldungswinkel des Gurts angepasst, also abgeschrägt, damit die Leiste über die ganze Breite gleichmäßig aufliegt.

Wenn Sie den täglichen Wall unter der Übergabe loswerden wollen, bevor er den Gurt kostet: Wir bauen gerade ein Werkzeug, das die Übergabe als Ganzes betrachtet.

Auf der Warteliste hören Sie als Erste davon, sobald es so weit ist.

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